Die Krawatte: Das I-Tüpfelchen für Eleganz

Eine Krawatte sollte jeder Mann im Schrank haben. Denn sie zählt wie kaum ein anderes Kleidungsstück zu den Must-Haves der männlichen Garderobe. Mit ihr kann ein lässiges Outfit elegant werden und ein elegantes Outfit kann, wenn man die Krawatte entfernt, auch mal als lässig durchgehen. Kaum ein Accessoire verändert den Look des Mannes so drastisch. Und kaum ein Kleidungsstück ist so umstritten in der Männermode.

Reine Optik oder echter Nutzen

Ein Problem der Krawatte ist sicherlich ihr zunächst fragwürdiger Nutzen. Wozu sind die bunten Schlipse gut? Gerüchten zufolge hatten sie in früheren Zeiten den Zweck, die kämpfenden Krieger in einer Schlacht davor zu bewahren, dass ihnen von Hals und Kopf der Schweiß in die Rüstung lief und dort heftigen Juckreiz verursachte. Dem konnte der Ritter aus verständlichen und technischen Gründen aber nicht nachgeben, so dass der praktische Nutzen der Schlipse, zumindest damals, völlig außer Frage stand. Heute sind Krawatten aber nicht viel mehr als ein Accessoire, Dekoration und nicht zuletzt auch ein Statussymbol. Sie machen die Jacken für den Abend zum halben Anzug und sind dabei wie kaum ein anderes Kleidungsstück verantwortlich für Uniformität im männlichen Kleidungsstil. Lediglich Material und Muster vermögen, den Krawatten unterschiedliche Charakteristika zu geben. Während der eine Mann das seriöse Modell aus edler Seide und mit dezenter Musterung vorzieht, pflegt der andere schrille Muster, grelle Farben und kontrastreiche Akzentsetzung mit dem möglichst auffälligen Schlips zur Jacke. Außerdem existieren Krawatten zweifellos auch als Persiflage ihrer selbst. Extra lang und breit werden sie zu Karneval getragen, schrille Comic-Drucke und Farbgebungen machen sie zum gewollt selbstironischen Statement. Auch Witze und Cartoons über die eigentlich unpraktischen Umhänger, gibt es in großer Zahl. Doch trotz allem steckt hinter jeder getragenen Krawatte die Absicht, sich seriös und konform zu geben und einem festlichen oder schlicht als wichtig eingeschätztem Anlass Rechnung zu tragen.

Politisches zur Krawatte

Nicht von ungefähr gibt es den Terminus “Krawattenzwang”. Er gilt immer dann, wenn der Dresscode eines Ortes oder eines Anlasses die festliche oder betont seriöse Garderobe vorschreibt. Dies ist zumeist bei offiziellen Anlässen der Fall, sei es in der Politik oder im Geschäftsleben. Im privaten Bereich und bei privaten Festivitäten hat sich allmählich zum Glück die Freiheit der Stil- und Kleiderwahl durchsetzen können, dennoch wird man zu solchen Anlässen immer noch gute 95 Prozent der männlichen Gäste mit Krawatte ausmachen können.

Symbol von Dressur und Anpassung?

Nicht zuletzt werden die dekorativen Schlipse von manchen Männern als ähnlich aufgezwungen empfunden, wie High Heels, Röcke und BHs von überzeugten Feministinnen. Als vorschriftsmäßiges Kleidungsstück in eine ähnliche Kategorie wie die Burka gepackt, ging ein Schweizer Blogger sogar so weit, in satirischer Weise ein “allgemeines Krawattenverbot” zu fordern und dafür eine Reihe nicht ganz ernst gemeinter Argumente anzuführen. Dazu gehörten generelle Nutzlosigkeit, Verderben des Kleidungsstils und Unterdrückung der Entwicklung eines eigenen Stils, sowie Unbequemlichkeit. Auch die Gefahr für Leib und Leben wurde genannt, da man mit der Krawatte hängen bleiben und sich derart unfreiwillig würgen oder gar erdrosseln könnte. Der Schlips als Symbol eines unterdrückten und dressierten Mannes? Vielleicht eine neue, interessante Sicht, über die es nachzudenken gilt. Dennoch würde es wohl noch sehr lange dauern, die Krawatte aus der Garderobe des Mannes zu tilgen. Denn trotz obiger Argumente gibt es auch echte Krawattenliebhaber, die gerade mit den eleganten Bändern ihren ganz eigenen Stil und ihre Individualität auszudrücken vermögen. Sie sammeln die Schmuckstücke in einer Kollektion, freuen sich über jedes neue Exemplar zu Weihnachten und dekorieren das Accessoire mit eleganten Krawattennadeln. Nur eine Möglichkeit, das uniforme Teil zu individualisieren. Verschiedenen Knoten und Arten, wie man den Schlips zu tragen hat, bieten noch weitere Variationen.

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